Vorlesung 2 von 14 · Donnerstag, 15. Oktober
Bedürfnisse, Güter, Produktionsfaktoren, und das Unternehmen als offenes System in einer Umwelt, die es prägt und die es prägt. Teil 2 der Grundlagen.
Prof. Dr. Dominik Orbach · Hörsaal 284, 9:45 bis 11:15 Uhr · parallel als Zoom-Sitzung, 13:30 bis 15:00 Uhr
Letzte Woche ging es um die Frage, woher wir wissen, dass etwas stimmt. Heute wenden wir dieses Handwerk zum ersten Mal auf einen Gegenstand an: auf das Unternehmen selbst.
Die neun Arbeitsschritte des Forschens, angewendet auf Künstliche Intelligenz. Wir hören drei Ergebnisse und prüfen, an welcher Stelle aus Beschreiben ein Bewerten wurde, ohne dass es jemand angekündigt hat.
Zuerst Ihre Unternehmenspräsentation. Dann von den Bedürfnissen eines Menschen über die Güter, die sie befriedigen, zu den Einheiten, die diese Güter herstellen, und zu der Umwelt, in der sie das tun.
Erst Ihre Ergebnisse, dann meine. Ich habe dieselbe Aufgabe bearbeitet: Wie sehen die Anwendungen aus, welche Auswirkungen sind zu erwarten? Eine von vielen möglichen Lösungen. Der Weg zählt, nicht die Übereinstimmung.
Klicken Sie einen Schritt an, um die ausformulierte Fassung zu sehen. Entscheidend ist die Reihenfolge: Wer bei Schritt sieben anfängt und bewertet, ohne beschrieben und analysiert zu haben, hat eine Meinung, aber keine Untersuchung.
Das erste Kapitel bei Thommen und Achleitner umfasst fünf Abschnitte. Zwei davon stehen heute an, einer war letzte Woche, einer liegt bei Professor Materne, einer folgt nächste Woche.
Dreißig Minuten für Einleitung und Ihre Unternehmenspräsentation, dann 45 Minuten Inhalte. Zum Schluss analysieren Sie fünfzehn Minuten lang Ihr Unternehmen und seine Umwelt.
Kapitel 01 · Gruppenarbeit · Minute 8 bis 30
Bevor der Stoff beginnt, regeln wir das wichtigste Projekt des Semesters. Bis Minute 30 klären wir, was am Ende herauskommen soll und welche fünf Pflichtschritte bis zum Finale anstehen. Dann bilden Sie Ihre Gruppen und tragen sie auf Miro ein.
Eine Präsentation, die Ihr Unternehmen mit den Werkzeugen analysiert, die wir im Semester erarbeiten.
Ich habe die Aufgabe selbst gemacht. Vom Kofferraum-Verkauf 1964 bis zum laufenden Geschäftsjahr, mit Marketing-Mix, fünf Strategiemodellen, Organigramm, Zahlen und einem begründeten Urteil am Ende. Nutzen Sie die Analyse als Maßstab, nicht als Vorlage.
Jede Zahl trägt eine Quellenziffer, jede Quelle ein Abrufdatum. Geschäftsbericht vor Presseartikel, Presseartikel vor Blog.
Jedes Modell beantwortet eine andere Frage. Wer ein Modell nur abbildet, hat es nicht angewendet.
Die Analyse mündet in eine begründete Einschätzung, mit den Argumenten dagegen daneben.
Jeder Schritt ist Pflicht, sonst fehlt Ihre Gruppe im Verfahren. Dazwischen liegen zwei Arbeitstermine in der Vorlesung: am 26. November und am 3. Dezember.
Nach der Abgabe werden Sie selbst zu Gutachterinnen und Gutachtern. Das ist kein Verwaltungstrick, sondern der schnellste Weg, ein Gefühl für Qualität zu bekommen: Nichts schärft den Blick für die eigene Arbeit so sehr wie fünf fremde.
Jede und jeder von Ihnen erhält eine persönliche E-Mail mit der eigenen Gruppennummer und den fünf Gruppen, deren Präsentationen Sie bewerten.
Sie sehen sich die fünf Präsentationen an und bewerten sie bis Dienstag, 8. Dezember, 23:59 Uhr. Danach schließt das Verfahren, damit das Finale vorbereitet werden kann.
Die fünf Gruppen mit den besten Bewertungen stellen am 10. Dezember vor allen ihre Unternehmenspräsentation vor. Am Ende wird die Gewinnergruppe gekürt.
Es löst ein praktisches Problem und ein didaktisches zugleich. Praktisch: Bis zu 35 Präsentationen passen nicht in neunzig Minuten. Didaktisch: Sie lesen fremde Arbeiten, bevor Sie Ihre eigene abschließend beurteilen. Genau das macht in Unternehmen die Qualitätssicherung.
Zeit für Fragen und Antworten. Wir gehen erst weiter, wenn jeder eine Gruppe hat und die Aufgabe klar verstanden ist. Nutzen Sie dann die Zeit für erste Terminvereinbarungen und die ILU-Umfrage.
Fünf Personen pro Team. Klären Sie zuerst: Wollen Sie vor Ort oder digital arbeiten? An den beiden Arbeitsterminen sollten alle im selben Modus sein.
Eines aus den Top 100 Brands des Interbrand-Rankings. Jedes Unternehmen wird nur einmal vergeben: Wer zuerst einträgt, hat es.
Ein Post-it pro Gruppe mit den Vor- und Nachnamen aller fünf und dem Unternehmen. Die Gruppennummer von 1 bis 35 vergebe ich auf dem Post-it. Ohne Gruppe: eigenes Post-it in die Spalte vor Ort oder digital.
ILU-Umfrage: Wählen Sie dort mit einem Klick Ihre Gruppe. Erst damit ist Ihre Matrikelnummer zugeordnet.
Kapitel 02 · Wirtschaft und ihre Elemente · Minute 30 bis 45
Am Anfang steht kein Unternehmen, sondern ein Mangel. Aus dem Empfinden eines Mangels wird ein Bedürfnis, aus dem Bedürfnis mit Kaufkraft ein Bedarf, aus dem Bedarf Nachfrage. Und erst dann beginnt das, was wir Wirtschaft nennen.
Wirtschaft umschreibt eine große Anzahl von Institutionen und Prozessen, die vielschichtig miteinander verknüpft sind und der Bereitstellung materieller und immaterieller Güter dienen. Ihre Aufgabe: Bedürfnisse befriedigen und dem Bedarf ein Angebot gegenüberstellen.
Das Empfinden eines Mangels. Subjektiv, unbegrenzt, nicht messbar.
„Mir ist kalt.“Wirtschaftlich objektiv feststellbare Bedürfnisse, die von Kaufkraft gedeckt sind.
„Ich kann eine Jacke bezahlen.“Die Summe des Bedarfs am Markt: die gesamte wirtschaftliche Nachfrage nach einem Gut.
„Alle, die eine Jacke kaufen wollen und können.“Maslow ordnet Bedürfnisse in fünf Stufen. Unten die Defizitmotive, die nach dem Prinzip der Sättigung getilgt werden können. Oben das Wachstumsmotiv, das nie satt wird. Gehen wir die Stufen durch.
Die unteren vier Stufen sind Defizitmotive: Sie entstehen aus einem Mangel und verschwinden, wenn der Mangel gedeckt ist. Die oberste Stufe ist ein Wachstumsmotiv: Sie treibt Wirtschafts- und Persönlichkeitsentwicklung an und lässt sich nicht sättigen.
Die Betriebswirtschaftslehre teilt anders ein als die Psychologie. Ordnen Sie jedes Beispiel einer der drei Arten zu. Die Auflösung erscheint nach Ihrem Klick.
Dienen der Selbsterhaltung, sind lebensnotwendig und müssen zuerst befriedigt werden: Nahrung, Kleidung, Unterkunft.
Nicht existenznotwendig, aber auf kulturelles und soziales Leben bezogen: Kultur, Weiterbildung, Sport, Reisen, Haushaltsgegenstände.
Der Wunsch nach luxuriösen Gütern und Dienstleistungen: Schmuck, Zweitwohnung, Luxusauto.
Sechs Beispiele. Entscheiden Sie für jedes, um welche Art von Bedürfnis es sich handelt.
Weil die Mittel zur Bedürfnisbefriedigung beschränkt sind, muss der Mensch entscheiden, welches Bedürfnis er zuerst befriedigt. Aus dieser Knappheit entsteht das Wahlbedürfnis, und damit jede ökonomische Entscheidung, die Sie in diesem Studium noch analysieren werden.
Güter ist hier der Oberbegriff, Dienstleistungen eingeschlossen. Die Systematik unterscheidet zuerst nach Knappheit, dann nach sieben Begriffspaaren.
Stehen von Natur aus in ausreichender Menge zur Verfügung, etwa Luft und in weiten Teilen der Erde auch Wasser. Sie haben keinen Preis, solange sie nicht knapp werden. Genau das verschiebt sich gerade, und deshalb steht diese Kategorie heute anders da als vor dreißig Jahren.
Knappe Güter. Nur sie werden bewirtschaftet, bepreist, produziert und verkauft. Alles, was in dieser Vorlesungsreihe folgt, handelt von ihnen.
Vier der sieben Begriffspaare sind Verzweigungen dieser Gliederung, drei liegen quer dazu. Dasselbe Gut kann in jedem Paar anders liegen.
Wählen Sie ein Gut. Die Systematik zeigt, wo es in jedem der Begriffspaare steht, und wo die Einordnung strittig wird.
Dasselbe Gut kann für den einen ein Konsumgut und für den anderen ein Produktionsgut sein. Ein Lieferwagen ist für den Handwerksbetrieb ein Potenzialfaktor, für den Privatkäufer ein Gebrauchsgut. Die Systematik beschreibt keine Eigenschaft des Dings, sondern seine Rolle im Prozess.
Produktionsfaktoren sind alle Elemente, die im betrieblichen Leistungserstellungs- und Leistungsverwertungsprozess miteinander kombiniert werden. Die Volkswirtschaftslehre kennt klassisch drei: Kapital, Boden, Arbeit. Die Betriebswirtschaftslehre unterscheidet sinnvoller in vier Gruppen.
Der entscheidende Unterschied zur volkswirtschaftlichen Einteilung: Die BWL trennt danach, ob ein Faktor bei seinem Einsatz verbraucht wird oder ob er dem Unternehmen als Potenzial erhalten bleibt, und sie führt Information als eigenen vierten Faktor.
Zwei Arten von Wirtschaftseinheiten stehen einander gegenüber. Die eine deckt den eigenen Bedarf, die andere den fremden.
Man spricht von Konsumtionswirtschaften: Sie verwenden Güter, statt sie für andere herzustellen.
Wirtschaftseinheiten, die primär der Fremdbedarfsdeckung dienen. Sie stellen Güter und Dienstleistungen für andere her. Das unterscheidet sie vom Haushalt.
Exkurs, weil es ständig durcheinandergeht: Der Betrieb ist die organisatorisch-technische Einheit, in der produziert wird. Das Unternehmen ist die juristisch-finanzielle Organisationseinheit, die dahintersteht. Ein Unternehmen kann mehrere Betriebe haben.
Vier Kriterien grenzen ab. Entscheidend ist in der Praxis die Kapitalbeteiligung.
Zivilrecht (BGB, HGB, AktG, GmbHG) für private, öffentliches Recht für öffentliche Unternehmen.
Eigene wirtschaftliche Entscheidungen oder Einschränkung durch die öffentliche Hand?
Private streben nach Gewinn. Öffentliche dienen der Bedarfsdeckung, oft nur kostendeckend oder bezuschusst.
Über 50 Prozent öffentliches Kapital: öffentliches Unternehmen. Mischformen sind häufig.
Zwei Fragen: Wer deckt welchen Bedarf, und wem gehört das Kapital? Bei den Unternehmen gibt es zwischen öffentlich und privat eine Mischform.
Eigene Darstellung nach Thommen und Achleitner, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 10. Auflage 2023, S. 7.
Kapitel 03 · Unternehmen als Gegenstand der BWL · Minute 45 bis 60
Drei Fragen strukturieren dieses Kapitel: Was ist ein Unternehmen? Wie läuft der betriebliche Umsatzprozess? Und wer steuert das Ganze? Wie all das erfasst und ausgewertet wird, beantwortet das Modul Rechnungswesen.
Die managementorientierte Betriebswirtschaftslehre beschreibt das Unternehmen als System mit sieben Eigenschaften. Jede davon hat Folgen für die Führung.
Es sind die Merkmale, die bei der Führung von Unternehmen tatsächlich eine Rolle spielen. Wer ein Unternehmen für ein geschlossenes, statisches, einfaches Gebilde hält, führt es falsch, und wird von der Umwelt eingeholt, die im Kapitel Umwelt dran ist.
Alles beginnt beim Warum. Wer seinen Sinn kennt, richtet Wertschöpfung, Versprechen, Zielgruppe und Kultur daran aus.
Beispiel Nike, Ihr Referenzbeispiel aus Kapitel 01
Von der Kapitalbeschaffung bis zur Rückzahlung laufen ein Güterstrom und ein Geldstrom gegeneinander. Lassen Sie uns die Phasen durchgehen.
Jede Bewegung von Gütern hat eine Gegenbewegung von Geld. Der Beschaffungsmarkt liefert Produktionsfaktoren und erhält dafür Ausgaben, der Absatzmarkt erhält Erzeugnisse und liefert dafür Einnahmen. Der Kredit- und Kapitalmarkt finanziert die Differenz und will sie verzinst zurück.
Die betrieblichen Funktionen sind nichts anderes als die Arbeitsteilung entlang dieses Prozesses. Sie sind zugleich der Lehrplan Ihres Studiums: Die meisten kommen als eigenes Modul wieder.
Marketing folgt ab dem 29. Oktober in fünf Sitzungen.
Diese drei behandelt BWL 2 und das Modul Rechnungswesen.
Personal und Organisation stehen im Januar auf dem Plan.
Damit die Probleme zielgerichtet bearbeitet und koordiniert werden, braucht es eine Steuerungsfunktion. Diese Funktion heißt Führung, synonym Management. Sie besteht aus vier Teilen, die einen Kreis bilden, daher das Führungsrad. Klicken Sie ein Segment an.
Weil der Kreis nie stillsteht. Die Kontrolle liefert die Erkenntnisse, aus denen die nächste Planung entsteht. Wo dieser Kreis unterbrochen wird, typischerweise bei der Kontrolle, weil sie unbequem ist, wiederholen sich dieselben Fehler.
Kapitel 04 · Umwelt des Unternehmens · Minute 60 bis 75
Das Unternehmen wird durch seine Umwelt ständig beeinflusst und prägt umgekehrt seine Umgebung. Diese Beziehungen sind nicht statisch. Die Aufgabe des Unternehmens: sie beobachten, Veränderungen beurteilen und in Entscheidungen berücksichtigen.
Anspruchsgruppen, englisch Stakeholder, sind alle, die ein Interesse am Unternehmen haben. Drei stehen innen, fünf außen. Klicken Sie eine Gruppe in der Karte an, um ihre Interessen zu sehen.
Das ist der Punkt: Die Interessen der Gruppen sind nicht deckungsgleich, sondern stehen teilweise im Konflikt. Höhere Löhne mindern den Gewinn, höhere Gewinne verteuern die Leistung, günstigere Leistung drückt auf die Lieferanten. Wie ein Unternehmen damit umgeht, ist das Thema der nächsten Sitzung: Ziele und Zielkonflikte.
Eigene Darstellung nach der Systematik bei Thommen und Achleitner (2023) sowie Ulrich und Fluri (1995).
Neben den Anspruchsgruppen wirken vier Sphären auf das Unternehmen. Sie umgeben es wie Ringe, und jede von ihnen hat in den letzten Jahren Versicherer unmittelbar getroffen.
Die vier Sphären lassen sich nicht sauber trennen. Der Klimawandel ist ökologisch, wird über Schadenhäufigkeiten ökonomisch, erzwingt technologisch neue Modellierung und wird sozial zur Verteilungsfrage. Die Einteilung hilft beim Beobachten, nicht beim Sortieren.
Die PEST-Analyse teilt das Umfeld in vier Faktorengruppen. Sie ist in der Praxis verbreiteter als das Sphärenmodell, weil sie sich direkt als Checkliste für eine Strategiesitzung benutzen lässt. Durchgespielt am Beispiel der Allianz, Europas größtem Versicherungskonzern und damit einem Unternehmen, das jede dieser vier Gruppen unmittelbar spürt.
Eigene Darstellung; das Modell geht auf Aguilar (1967) zurück, die hier gezeigte Umfeldeinteilung folgt der Darstellung bei Ramme (2004). Die Faktoren sind qualitativ formuliert. Für Ihre eigene Analyse gehören Zahlen und Quellen dazu.
Langfristig, weltweit, in allen Lebensbereichen. Kein Unternehmen kann sie aufhalten.
Auswahl nach der Megatrend-Map des Zukunftsinstituts. Zahlen: Statistisches Bundesamt (Bevölkerungsvorausberechnung, Homeoffice 2023). Bild: Adobe Stock.
Von der Bedürfnispyramide bis zu PEST und den Megatrends: Gehen Sie in Ihrer Projektgruppe die Methoden in der Reihenfolge der Vorlesung durch, jeweils für das Unternehmen, das Ihre Gruppe gewählt hat. Stichpunkte genügen.
Danach: Die Ergebnisse nehmen Sie direkt in Ihre Unternehmenspräsentation mit.
Eine Pflicht, eine Anregung und das Thema der nächsten Sitzung.
Wählen Sie mit einem Klick Ihre Gruppe. Sie erhalten dann Ende des Monats eine E-Mail mit Ihrer Gruppennummer und den fünf Unternehmensanalysen, die Sie im Dezember bewerten.
Beschäftigen Sie sich gerne schon mit der Unternehmensgeschichte Ihres Unternehmens: Wer hat es gegründet? Und wieso?
Zielsysteme, Zielbeziehungen und Zielkonflikte, einschließlich der Konflikte zwischen den Anspruchsgruppen, die wir heute gesammelt haben.